Gr├╝nderstory b.fab

Im Interview mit Dr. Frank Kensy, Gr├╝nder, b.fab

Lieber Frank, wer seid ihr und was macht ihr? 
Wir sind ein Team aus Ingenieuren und Biotechnologen. Die Firma gegründet haben Frank Kensy, Arren Bar-Even sowie die b.value AG als Pre-Seed Investor und Company Builder. Entstanden ist die ursprüngliche Idee am Weizman-Institut in Israel, wo Arren seine Doktorarbeit anfertigte. 

Wir wollen das Klimagas CO2┬áin neue Produkte einbauen. Dazu nutzen wir eine Kombination aus Elektrochemie und Biotechnologie. Zun├Ąchst wird das CO2┬áelektrochemisch zu Ameisens├Ąure reduziert und anschlie├čend wird die Ameisens├Ąure in einer Fermentation zu Biokunststoffen oder Futtermitteln umgewandelt. Am Ende verkaufen wir den ganzen Prozess an die Industrie (Chemie, Futtermittel, Energie).

Welche Probleme l├Âst b.fab konkret?
Wir versuchen die Produktionsverfahren f├╝r Proteine und Chemikalien auf eine nachhaltige Basis zu stellen, indem wir als Rohstoff CO2 verwenden. Wie wir alle wissen, tobt derzeit eine heftige Debate zum CO2-Preis. Um unsere Klimaziele zu erreichen, m├╝ssen wir drastig CO2-Emissionen reduzieren. Da nicht alle Industrien von heute auf morgen umger├╝stet werden k├Ânnen, wird noch ├╝ber Jahre hinaus eine Menge CO2 aus den Schornsteinen der Fabriken oder Kraftwerke entweichen. Wir bieten an, aus den Emissionen Produkte zu formen. Gleichzeitig erhalten wir damit einen g├╝nstigen Rohstoff, den wir mit erneuerbarem Strom aufwerten und in Produkte wie Biopolymere oder Futtermittel wandeln.

Prozess der b.fab

Wie schauen Eure bisherigen Meilensteine aus? Welcher Erfolge konntet ihr bereits erzielen?
Wir konnten eine Pre-Seed Finanzierung mit der b.value AG Mitte 2018 abschlie├čen. Ende 2018 konnten wir dann den Proof-of-Concept der Technologie demonstrieren, indem wir best├Ątigen konnten, dass das Bakterium E.coli auf dem Substrat Ameisens├Ąure w├Ąchst und damit unseren synthetischen Stoffwechselweg best├Ątigt hat. Des Weiteren wurden wir mit dem 3. Preis f├╝r die beste CO2-Verwertungstechnologie auf der CO2-Konferenz des nova Instituts und der Covestro im M├Ąrz 2019 ausgezeichnet.

Besonders stolz sind wir darauf, dass b.fab Ende Februar 2020 die Zusage f├╝r eine Projektf├Ârderung zur CO2-Fixierung in Biopolymeren vom Bundesministerium f├╝r Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Ausschreibung CO2-WIN. erhalten hat.

Herzlichen Gl├╝ckwunsch dazu! Kannst Du uns ein wenig mehr ├╝ber das gef├Ârderte Projekt erz├Ąhlen?
Das von b.fab koordinierte Projekt ÔÇ×TRANSFORMATEÔÇť hat es sich zur Aufgabe gemacht, CO2-haltige Abgasstr├Âme von Industrieparks in werthaltige Biokunststoffe umzuwandeln. Dem Projektkonsortium geh├Âren neben b.fab insgesamt 7 weitere Projektpartner aus Wissenschaft und Industrie an: Max-Planck-Institut f├╝r Molekulare Pflanzenphysiologie, Max-Planck-Institut f├╝r Kolloid- und Grenzfl├Ąchenforschung, Universit├Ąt Stuttgart, Ertel IonStream UG, Plinke GmbH, YNCORIS GmbH & Co. KG und die Dechema e.V.. Die Projektlaufzeit betr├Ągt 3 Jahre vom 1.3.2020 bis zum 28.02.2023. 

Projektkonsortium „Transformate“

Die Zielsetzung des Projektes ist die Verwertung von CO2-Abgasen aus Industrieparks in werthaltigen, biologisch-abbaubaren und stabilen Biokunststoffen. Dazu wird eine neuartige Kombination aus elektrochemischer Konversion und Biotechnologie gew├Ąhlt. Im ersten Schritt wird CO2 in einem Elektrolyseur in Ameisens├Ąure umgewandelt, um diese dann in einem zweiten Schritt mittels Bakterien in Biokunststoffe umzusetzen. Zielmolek├╝le sind Polyhydroxybutters├Ąure (PHB) und Crotons├Ąure. Das Projektkonsortium deckt die gesamte Wertsch├Âpfungskette ab. 

Wir bei b.fab sind sehr gl├╝cklich, dass wir mit diesem kompetenten Konsortium das Projekt durchf├╝hren d├╝rfen und vom BMBF unterst├╝tzt werden. Wir haben somit die Chance unseren CO2-Verwertungsprozess als vollintegrierten Prozess zu demonstrieren und somit L├Âsungen f├╝r den Klimawandel bereitzustellen.

Welches sind aus Eurer Sicht die gr├Â├čten Herausforderungen von Start-ups aus den KUER Branchen (Klima, Umwelt, Energieeffizienz, Resourcenschonung) generell?
In der KUER Branche sind die Prozesse meist komplex und Neuentwicklungen dauern ihre Zeit. Dies ist auch in unserem Fall so. Um richtig Wirkung f├╝r die Umwelt und das Klima zu schaffen, m├╝ssen die Technologien dann in gro├čen Ma├čst├Ąben und breit industriell implementiert werden. Dies bedeutet gleichzeitig hohe Investitionen. Dies macht aber auch Investoren Angst, da sie ihr VC-Kapital nicht in Industrieanlagen festsetzen m├Âchten. Sie pr├Ąferieren einfache, mit wenig Kapital skalierbare Gesch├Ąftsmodelle. Hier muss die ganze Branche und auch wir noch die richtigen Businessmodelle finden, um den Investoren hier mehr Anreize zu bieten. Der Staat kann hier durch geeignete Technologie-Programme unterst├╝tzen und das Risiko ein wenig nehmen. 

Wie seid Ihr finanziert? Und wof├╝r habt Ihr in der Startphase das meiste Kapital und die meiste Energie investiert?
Wir haben bisher lediglich eine Pre-Seed-Finanzierung durch die b.value AG eingesammelt. Die Seed Finanzierung ist aus den oben genannten Gr├╝nden nicht ganz so einfach in Deutschland. Daher schauen wir nach Europa und die USA, um geeignete Investoren zu finden. Die meiste Energie haben wir bisher f├╝r die Investoren-Suche aufgewendet. Zum Gl├╝ck laufen noch parallel die F&E-Aktivit├Ąten in Arren┬┤s Labor am Max-Planck-Institut. Das meiste Kapital haben wir bisher in Patent-Geb├╝hren investiert.

Was sind Eure n├Ąchsten Schritte? 
Unser Ziel ist es, die Seed Finanzierung im n├Ąchsten halben Jahr abzuschlie├čen. Parallel starten wir bereits mit einem BMBF-Projekt. Wir brauchen dann auch mehr Mitarbeiter, so dass wir in 2020 ca. 2-3 neue Mitarbeiter einstellen werden. In 2020 wollen wir unseren Prozess im Labor-Ma├čstab etablieren, um dann in 2021 das Scale up in eine Pilot-Anlage zu realisieren.Welche Tipps k├Ânnt ihr anderen Gr├╝ndern geben?

Welche Tipps k├Ânnt ihr anderen Gr├╝ndern geben?
Liebt das Thema, mit dem ihr eine Firma gr├╝ndet. Lasst Euch nicht von schlechten Rahmenbedingungen oder Meinungen runterziehen. Nutzt die ├Âffentlichen F├Ârderprogramme wie EXIST oder START-UP Transfer.NRW, um eure Produkte oder Prozesse m├Âglichst weit an die Marktreife heran zu entwickeln. Sprecht fr├╝h mit euren Kunden und bindet deren W├╝nsche mit in das Produkt ein, so dass ihr nicht am Markt vorbei entwickelt. Na denn, viel Erfolg!

Hier gehts zum Video-Intro der b.fab Technologie: 

F├╝r mehr Infos: www.bfab.bio