GrĂŒnderstory VYTAL Global GmbH

im Interview mit Dr. Tim Bremer, Co-Founder von VYTAL

Lieber Tim, wer seid ihr und was macht ihr?
Wir sind Sven Witthöft (31) und Tim Breker (33). Im Sommer 2019 haben wir VYTAL in Köln gegrĂŒndet und konnten unseren ehemaligen Kollegen Fabian Barthel (41) ab 1. MĂ€rz 2020 als dritten MitgrĂŒnder gewinnen. Wir betreiben deutschlandweit gemeinsam mit inzwischen schon rund 600 Partnerrestaurants ein digitales Mehrwegsystem mit hochwertigen, auslaufsicheren und auch fĂŒr die Mikrowelle geeignete Schalen fĂŒr Mitnahme- und Lieferessen ohne Pfand. 

Welche Probleme löst VYTAL konkret?
Wenn man sich sein Essen in unserer VYTAL Mehrwegschale holt oder auch liefern lĂ€sst, trĂ€gt man dazu bei, dass der VerpackungsmĂŒll spĂŒrbar sinkt. Damit schonen wir Ressourcen und ĂŒber die gesamte Nutzungszeit einer Schale lassen sich nicht nur bis zu 30 Kilo CO2-Emissionen einsparen, sondern auch jede Menge MĂŒll. Wir helfen also all denen, die umweltbewusster leben und konsumieren wollen, das im Alltag auch umzusetzen, indem wir Mehrweg so einfach und bequem machen wie Einweg. Mit VYTAL macht Mehrweg Spaß.

Wie funktioniert Euer Mehrwegsystem konkret?
Unsere Kunden registrieren sich einmalig in der VYTAL App oder kaufen vor Ort eine VYTAL Offlinekarte fĂŒr 10€ und können sich damit bei jedem unserer Partnerrestaurants ihr Essen in einer frisch gespĂŒlten Mehrwegschale geben lassen. Die können sie kostenlos ausleihen und nach der Benutzung zurĂŒckbringen bzw. einfach bei der nĂ€chsten Bestellung zurĂŒckgeben. DafĂŒr haben sie maximal 14 Tage Zeit. 

Seit Oktober 2020 ist es in vielen deutschen GroßstĂ€dten auch möglich, das Essen bequem direkt ĂŒber die App vorzubestellen und dann – ohne Schlange stehen – in der VYTAL Mehrwegschale abzuholen. Auch ĂŒber Lieferdienste kann Essen bei unseren Partnerrestaurants in der VYTAL Mehrwegschale bestellt werden. Ohne Pfand erzielen wir jetzt schon bessere RĂŒcklaufquoten und insgesamt schnellere RĂŒcklĂ€ufe als im ĂŒblichen deutschen Flaschenpfandsystem. Unser Ziel ist es, das effizienteste und bequemste Mehrwegsystem der Welt aufzubauen.

GeschĂ€ftsidee entstanden und wie habt ihr als GrĂŒnder zusammengefunden?
Wir drei haben uns ursprĂŒnglich in der Unternehmensberatung kennengelernt. Essen in Einwegverpackungen belastet die Umwelt immer dramatischer – und gleichzeitig das Gewissen, wenn man die MĂŒllberge sieht. In unseren frĂŒheren Jobs haben wir hĂ€ufig Essen mitgenommen oder bestellt und uns schlecht gefĂŒhlt, wenn wir anschließend die ĂŒberquellenden MĂŒlleimer gesehen haben. DafĂŒr wollten wir eine nachhaltige Lösung entwickeln, die fĂŒr den Kunden bequem zu nutzen und gleichzeitig auch ökologisch wirkungsvoll ist.

Wie schauen Eure bisherigen Meilensteine aus? Welche Erfolge konntet ihr bereits erzielen?
Die allerersten VYTAL Mehrwegschalen waren ab September 2019 in unseren fĂŒnf Partnerrestaurants im Kölner Mediapark im Umlauf. Parallel dazu sind wir mit VYTAL im Oktober 2019 mit Hilfe der A&Z Foodmanufaktur im Betriebsrestaurant des Bundesinstituts fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn gestartet. Anhand dieser konkreten Erfahrungen und des Feedbacks von Kunden und Partnern haben wir unser GeschĂ€ftsmodell Anfang 2020 noch einmal nachjustiert. Dann kam Corona, aber eben auch die Einladung in die Sendung „Die Höhle der Löwen“ und unser Start in MĂŒnchen. Im September haben wir REWE als strategischen Partner gewonnen und bieten in Köln seitdem VYTAL auch an der Salattheke an. Zugleich haben wir unsere App so erweitert, dass man sein Essen ĂŒber die App ganz bequem vorbestellen und bezahlen kann sowie bei der Abholung in unseren Partnerrestaurants nicht mehr Schlange stehen muss. Im November 2020 schließlich kam als weiteres auch eine Mehrwegverpackung fĂŒr Pizza dazu. Insgesamt, so schĂ€tzen wir, haben wir damit schon mehr als 200.000 Einwegverpackungen eingespart, also Ressourcen geschont, die entsprechenden CO2 Emissionen eingespart und den dazu gehörigen MĂŒllberg vermieden.

Wie seid Ihr finanziert?
Angefangen haben wir komplett mit eigenen Mitteln und die vor allem in die Mehrwegschalen und natĂŒrlich in den Vertrieb gesteckt. Zu Beginn des vergangenen Jahres sind die ersten Investoren eingestiegen, darunter Georg Kofler, den wir in der Höhle der Löwe fĂŒr VYTAL gewinnen konnten. Mit ihnen wollen wir VYTAL weiter ausbauen und auch international wachsen lassen. Einen Anfang haben wir gerade in Salzburg gemacht und auch aus Wien gibt es schon Anfragen.

Die Coronapandemie trifft viele Start-ups hart. Bei Euch dĂŒrfte es genau umgekehrt sein, da Food Takeaway und Delivery in der Krise stark zugenommen haben. Wie konntet ihr diesen Umstand fĂŒr Euch nutzen? Wie verlief das Jahr 2020?
2020 war fĂŒr uns durchaus auch eine große Herausforderung. Einerseits wird in der Corona Krise mehr Essen zum Mitnehmen verlangt, das eröffnet uns Marktchancen. Andererseits darf man nicht vergessen, dass viele unserer potentiellen Partner in dieser Krise reale ExistenzĂ€ngste plagen. In so einem Umfeld, in dem zudem auch noch persönliche Kontakte so stark wie möglich reduziert werden sollen, eine neue Idee, ein ganz neues System in der Gastronomie zu etablieren, stellt ganz besondere Anforderungen an uns.

Ein Blick auf Eure Homepage zeigt schnell, dass VYTAL krĂ€ftig expandiert. Ihr sucht zahlreiche Mitarbeiter fĂŒr die Standorte Köln, MĂŒnchen, Berlin. Wie schauen Eure ExpansionsplĂ€ne aus und welche Rolle spielt dabei der Standort NRW
NRW ist unsere Heimat und hier hat VYTAL mit mehr als 225 Restaurantpartnern bislang einen wichtigen Schwerpunkt seiner AktivitĂ€ten. Ich selbst bin „ne kölsche Jung“. Insofern sind wir auch dem Rheinland besonders verbunden und finden, dass diese Region grundsĂ€tzlich gute Voraussetzungen fĂŒr Startups und GrĂŒnder bietet. Zum einen sind natĂŒrlich die Ballungsgebiete Nordrhein-Westfalens fĂŒr unsere weitere Entwicklung von großer Bedeutung, aber von denen ist es eben auch immer nicht allzu weit in lĂ€ndliche Regionen, in denen wir ĂŒber kurz oder lang auch prĂ€sent sein wollen. Ganz persönlich sind wir in der ersten Phase von VYTAL durch das GrĂŒnderstipendium NRW und das Gateway der UniversitĂ€t zu Köln unterstĂŒtzt worden. Neben der Basisfinanzierung fĂŒr den eigenen Lebensunterhalt konnten wir so auch von den gerade in NRW besonders vielfĂ€ltigen Möglichkeiten sich zu vernetzen sehr profitieren!

Vor welchen Herausforderungen steht VYTAL insbesondere?
Unsere grĂ¶ĂŸte Herausforderung ist es auf absehbare Zeit, unser Wachstum in dem Corona bedingt schwierigen Umfeld zu managen. Wir sind in einer Phase, in der die Finanzierung, der Ausbau unseres Netzwerks von Partnern, die Rekrutierung von neuen MitarbeiterInnen, die Weiterentwicklung unserer App, aber auch die Optimierung von Prozessen und viele weitere Aufgabenfelder vorangetrieben werden mĂŒssen, um mit diesem Wachstum Schritt zu halten und möglichst optimal aufgestellt zu sein.

Welches sind aus Eurer Sicht die grĂ¶ĂŸten Herausforderungen von Start-ups aus den KUER Branchen (Klima, Umwelt, Energieeffizienz, Ressourcenschonung) generell?
Wir gehen davon aus, dass die grĂ¶ĂŸte Herausforderung darin liegt, gangbare Wege zu finden, auf denen wir unser derzeitiges, nicht nachhaltiges Wirtschaftssystem hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft entwickeln können. Das wird nur funktionieren, wenn es gelingt, GeschĂ€ftsmodelle zu entwickeln, in denen die Anreize, sich umweltgerecht(er) zu verhalten bei allen Beteiligten so gesetzt sind, dass sie sich in diese gemeinsame Richtung hin ergĂ€nzen. Konkret am Beispiel VYTAL erklĂ€rt: wir werden den Trend zum Essen to go nicht umkehren können, aber wir brauchen dafĂŒr nachhaltige, bequeme und aus der Sicht des Kunden bessere Lösungen fĂŒr notwendige Verpackungen. Unser Mehrwegsystem ohne Pfand ist nachhaltig und bequem. Es macht dem Kunden ein Angebot, wie er sein Umweltbewusstsein im Alltag tatsĂ€chlich leben kann. Zugleich sparen unsere Restaurantpartner mit VYTAL Kosten fĂŒr Verpackung und die Gesellschaft vermeidet MĂŒll und schont Ressourcen. 

Was sind Eure nĂ€chsten Schritte?  Welche Ziele habt ihr euch gesetzt? 
Wir möchten die jahrzehntelange Mehrwegerfahrung in Deutschland nutzen, um weltweit VerpackungsmĂŒll zu vermeiden. Dazu bringen wir Restaurants, Kantinen, LebensmittelmĂ€rkte, Lieferdienste mit Konsumenten und Unternehmenskunden auf einer Technologie-Plattform zusammen. Mit unserer VYTAL App machen wir die Verpackungseinsparungen und Umwelteffekte transparent und helfen allen Beteiligten, sich nachhaltig zu verhalten. Also, wenn wir trĂ€umen dĂŒrfen, dann ist VYTAL in fĂŒnf Jahren DAS Betriebssystem fĂŒr pfandfreie Mehrwegsysteme und DER internationale Exportschlager aus Deutschland.

Welche Tipps könnt ihr anderen GrĂŒndern aus den KUER Branchen geben?
UnabhĂ€ngig von der Branche glauben wir, dass es wichtig ist sich rechtzeitig vor, aber auch fortlaufend nach der GrĂŒndung so viel Feedback wie möglich zu holen – idealerweise insbesondere von zukĂŒnftigen Kunden. Außerdem sind wir Teamplayer. Im Team zu grĂŒnden, am besten mit Menschen, von und mit denen man lernen will, ist unserer Meinung nach ein großer Vorteil und hilft dabei, auch im AlltagsgeschĂ€ft mutig zu bleiben und das große Ganze, die eigene Vision nicht aus den Augen zu verlieren.

Vielen Dank, Tim!

Kontakt:
Dr. Tim Breker
Co-Founder & Managing Director
+4915779516154
tim@vytal.org